AEO (Authorised Economic Operator)

Die Zollkodexreform wird innerhalb der Europäischen Gemeinschaft zu großen Veränderungen bei der Zollabwicklung führen.
Verfahrensänderungen die u. a. in den neuen Durchführungsverordnungen umgesetzt werden:

  • Vorab-Anmeldepflichten des Wirtschaftsbeteiligten
  • Verfahrenserleichterungen für bestimmte Wirtschaftsbeteiligte
  • gemeinschaftseinheitliche, EDV-gestützte Risikoanalysekriterien im Bereich der Zollkontrollen.

Top Thema ist dabei die Gewährung von Zollerleichterungen und Vereinfachungen für den „zugelassenen Wirtschaftsbeteiligten“. Der Zugelassene Wirtschaftsbeteiligte (ZWB) = Authorised Economic Operator (AEO) oder warum tangiert dieses Thema früher oder später primär jedes Unternehmen aus der Logistikbranche?


I. Zu den Hintergründen:

Die zunehmende Globalisierung und die veränderte internationale Sicherheitslage haben die Weltzollorganisation (WZO) veranlasst mit einem „Framework of Standards to Secure and Facilitate global Trade“ (SAFE) weltweite Rahmenbedingungen für ein modernes und effektives Risikomanagement in den Zollverwaltungen zu schaffen. Die Europäische Union hat die Vorgaben des SAFE durch die Verordnung Nr. 648/2005 zur Änderung des Zollkodex der Gemeinschaft (Sicherheitspaket) und die Verordnung 1875/2006 zur Änderung des Zollkodex-Durchführungsverordnung umgesetzt.
Schematisch kann gesagt werden, dass de facto die EU-Außengrenzen geschlossen und mit Eingangsund Ausgangsschleusen versehen werden. Waren können diese Schleusen nur passieren, wenn sie aus einer sicheren Lieferkette stammen.

Die Lieferkette beim Zugelassenen Wirtschaftsbeteiligten (AEO)
Authorised Economic Operator

Ein wesentliches Element dieser Sicherheitsinitiative ist, neben der Einführung eines europaweiten Risikomanagements und der ab 01. Juli 2009 verpflichtenden Abgabe einer Vorabanmeldung bei der Warenein- und ausfuhr (siehe ATLAS), die Einführung des Status des ZWB (AEO). Ab 1. Januar 2008 können Unternehmen, die in der europäischen Union ansässig sind und am Zollgeschehen beteiligt sind, diesen Status beantragen. Der Status berechtigt zu Vergünstigungen bei sicherheitsrelevanten Zollkontrollen und Vereinfachungen gemäß Zollvorschriften. Ziel ist die Absicherung der internationalen Lieferkette (Supply chain) vom Hersteller einer Ware bis hin zum Endverbraucher. Derzeit laufen Verhandlungen mit Drittländern (insb. USA, China, Schweiz), die mittelfristig zu einer weltweiten Anerkennung des Status führen sollen.

II.) Drei Arten des Status des Zugelassenen Wirtschaftsbeteiligten (ZWB)

Der Status des ZWB ist in allen Mitgliedsstaaten gültig, zeitlich nicht befristet, und unterscheidet sich in drei Arten:

1.) AEO C = Zertifikat “zollrechtlicher Vereinfachungen“ Authorised Economic Operator “Customs Simplifications”
2.) AEO S = Zertifikat “Sicherheit” Authorised Economic Operator “Safety and Security”
3.) AEO F = Zertifikat “zollrec
htlicher Vereinfachungen/Sicherheit“ Authorised Economic Operator“Full”


Die Varianten unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Bewilligungsvoraussetzungen und den damit verbundenen Vergünstigungen. Für die meisten Unternehmen geht es um das Zertifikat „zollrechtlicher Vereinfachungen/Sicherheit“.

III.) Bewilligungsvoraussetzungen für die Erhaltung des AEO-Zertifikates

Der Status des AEO wird Antragsstellern, die in der Gemeinschaft ansässig und im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit mit unter das Zollrecht fallenden Tätigkeiten befasst sind, bewilligt (Art.4 Nr. 1 ZK; Art. 1 Nr. 12 ZK-DVO). Dies bedeutet, dass der Status eines AEO z.B. für Personen die ausschließlich im Binnenmarkt tätig sind nicht in Betracht kommt.
Der AEO muss je nach Status die folgenden Voraussetzungen erfüllen:
  • die bisher angemessene Einhaltung der Zollvorschriften (Art. 14h ZK-DVO)
  • ein zufrieden stellendes System für die Verwaltung der Geschäftsunterlagen, das geeignete Kontrollen ermöglicht (Art. 14i ZK-DVO)
  • nachgewiesene Zahlungsfähigkeit ( Art. 14J ZK-DVO)
  • Geeignete Sicherheitsstandards (Art. 14k ZK-DVO- nur von AEO S und AEO F zu erfüllen)
Die Einhaltung der Kriterien wird anhand der Angaben des Antragsstellers geprüft, eine Begehung der Liegenschaften des Antragsstellers durch Zollbeamte folgt. Eine Verpflichtung zur Einschaltung von Gutachtern besteht nicht.